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NOTEL

Im NOTEL,  der Notschlafstelle für Drogenabhängige, ist die kleine Kapelle spirituelles Zentrum für Mitarbeiter und Gäste.

Ziel ist nicht Bekehrung, sondern als Christen präsent zu sein und aufgrund des Glaubens Hoffnung zu vermitteln.

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Impuls zum Fest der heiligen Familie (26.12.)

Maria, Josef und ein freundlich lächelndes Jesusbübchen in trauter Eintracht beieinander. Friedliches Miteinander, Maria stets demütig, Josef immerzu fleißig, Jesus allzeit brav und gehorsam! So wird uns die heilige Familie vor Augen geführt.

Das Bild der „Heiligen Familie" als Vorbild einer heilen Familie heute? In einer Zeit, in der Menschen in unterschiedlichen und nicht immer ganz einfachen, eher in zerrissenen Familienformen zusammenleben? Worin genau besteht diese Vorbildfunktion?

Torhaus und Basilika Knechtsteden

Vielleicht kann uns Jesus selbst ein Orientierungspunkt sein. Aber nicht der brave Jesusknabe, sondern der Jesus, der in die Pubertät kam und anfing, sich mit seinen Eltern auseinander zu setzen, seine eigenen Wege zu gehen. Genau davon berichtet das heutige Evangelium (Lk 2, 41-52).

Mit 12 Jahren reißt der Knabe bei einer Wallfahrt nach Jerusalem aus. Als er schließlich im Tempel aufgefunden wird, wirkt er wenig erfreut über das Wiedersehen mit seinen Eltern. Ihn zieht es, so hat man den Eindruck, gar nicht nach Hause zur Familie zurück. Als sein wahres Vaterhaus empfindet er vielmehr den Tempel Gottes. Er übernimmt auch nicht den väterlichen Handwerks- betrieb, sondern wird Wanderprediger. Seine „Angehörigen" versuchen, ihn mit Gewalt zurückzuholen, weil sie denken: Er ist von Sinnen.

Von seiner Mutter und seinen Brüdern will er nichts wissen. Als seine wahren Angehörigen empfindet er die, die den Willen Gottes tun, sie sind für ihn „Bruder, Schwester und Mutter". Seine eigene Mutter Maria spricht er gelegentlich in einem Ton an, den man eigentlich nur als unverschämt bezeichnen kann: „Was habe ich mit dir zu tun, Frau?"

Also: Ein Familientyp war Jesus sicher nicht und die Beschreibungen der Evangelien vermitteln nicht den Eindruck einer heilen Familie. Und was an ihr ist denn heilig?
Eine Antwort auf diese Frage habe ich gefunden in einem Adventskalender, den der Gefängnisseelsorger Willi Oberheiden für die Gefangenen in Euskirchen und in der JVA Siegburg herausgab, die ja meist keine heile und schon gar keine heilige Familie kennen.

Oberheiden schreibt: „Jesu Familie ist eine heilige Familie. Dafür braucht sie nicht heil zu sein, nicht in Ordnung, keine geordneten Verhältnisse. Diese Familie ist heilig, weil Jesus in sie geboren wurde. Es ist seine Familie. So, wie sie halt ist!"
Das gilt im übertragenen Sinne auch für uns. Wie immer die eigene Familie sein mag, was immer wir an Erinnerungen, an guten und vielleicht unguten Erlebnissen mit uns tragen, wie Geborgenheit gebend oder unvollkommen sie war und ist, wie liebevoll oder auch manchmal sogar schädlich: Es ist meine Familie. Vielleicht ist sie nicht heil. Vielleicht ist sie sogar das Gegenteil davon – zerbrochen, kaputt, verletzt und verletzend. Aber es ist meine Familie, in die ich geboren wurde, in der ich zum Leben kam und aufwuchs. Und das macht sie ein Stück weit heilig! Und was an ihr Unheil und unheilig ist – vielleicht kann ich es besser machen, so, wie ich es für mich gewünscht hätte.

 

P. Michael Wegner CSSp


26.12.2021

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