Veröffentlichungen

anlässlich des Jubiläums in der Missionszeitschrift kontinente, die die Spiritaner mit 23 weiteren Ordensgemeinschaften herausgeben.

Ausgabe März/April 2002
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Geschichte der ersten deutschen Spiritanerprovinz 1863-1873:
Kurzes Intermezzo in deutschen Landen


Marienstatt im Westerwald, heute noch ein Zisterzienserkloster und Wallfahrtsziel für viele Gläubige aus der Umgebung. Hier waren die Spiritaner im vorletzten Jahrhundert für einige Jahre tätig.
Der elsässische Judenkonvertit Franz Maria Paul Libermann wollte ursprünglich die Kongregation vom Unbefleckten Herzen Mariens in Straßburg gründen, um junge Männer für den Dienst an den Menschen schwarzer Rasse aus Frankreich und Deutschland zu gewinnen. Aber es sollte anders kommen. Der Bischof von Amiens lud ihn in seine Diözese ein, weihte ihn zum Priester und stellte ihm ein Haus für das Noviziat zur Verfügung. In dieser Einladung sah Libermann den Willen Gottes, und begann deshalb sein Werk im Innern Frankreichs. Er verfolgte aber den Gedanken weiter, nach Deutschland hinein zu wirken. Deshalb schrieb er in der Mainzer Zeitung "Der Katholik" einen Artikel, um seine Gemeinschaft in Deutschland bekannt zu machen. Auf Grund dieses Berichtes schlossen sich schon bald einige junge Männer aus Deutschland der jungen Gemeinschaft an.

Es dauerte aber noch einige Jahre, bis der Wunsch Libermanns in Erfüllung ging, Niederlassungen in Deutschland zu gründen, obwohl die Kongregation mehrfach hierher eingeladen wurde (Unter anderem wurde ihnen auch die heutige Erzabtei Beuron angeboten).

Pfarrer Ernst Münzensberger aus der Erzdiözese Köln, der den Spiritanern freundschaftlich verbunden war, erreichte, dass die Kongregation einige Häuser in Deutschland erwerben konnte. Dabei ging es Münzensberger vor allem darum, Seelsorger für die Katholiken in der Diaspora zu gewinnen. Er wies darauf hin, daß es immer wieder Menschen gäbe, die aus verschiedenen Gründen nicht nach Afrika gehen könnten. Diesen solle man Gelegenheit geben, ihren Missionsberuf in der Diaspora in Europa oder in Amerika zu verwirklichen.

Im Jahre 1863, also elf Jahre nach dem Tod Libermanns, wurde seine Vision Wirklichkeit. In einem Jahr wurden gleich drei Häuser in Deutschland gegründet: In Kaiserswerth/Düsseldorf, Marienstatt im Westerwald und Marienthal an der Sieg. Zum Oberen dieser sogenannten "Marienthaler Provinz" wurde zunächst Pater Johann Baptist Burg ernannt. Vor seinem Eintritt in die Kongregation war er Professor am Priesterseminar in Straßburg gewesen, wo Libermann zu seinen Studenten zählte.

In Kaiserswerth wurden den Spiritanern elf alte und pflegebedürftige Priester anvertraut, die von den Brüdern Donatus und Zosimus betreut wurden. Pater Wilhelm Bigot, ebenfalls Elsässer, gab Unterricht in den Schulen der näheren und weiteren Umgebung, um für Missionsberufe zu werben. Das Haus in Kaiserswerth wurde 1870 den Brüdern des heiligen Alexius übergeben, da die Spiritaner für diese spezielle Krankenpflege nicht ausgebildet waren.


Der Eingang in das Kloster Marienstatt, in dem die Spiritaner lebten und arbeiteten. Neben der Wallfahrtsseelsorge war ihnen auch die Sorge für die rund 21 Dörfer der Umgebung übertragen worden.
Marienthal und Marienstatt sind Wallfahrtsorte. Dort übernahmen die Spiritaner die Pilgerseelsorge, sie kümmerten sich aber auch um die umliegenden Pfarreien ­ allein zur Pfarrei Marienstatt gehörten damals 21 Dörfer.

Die Spiritaner waren aber nicht nur nach Deutschland gekommen, um Pfarrseelsorge zu treiben oder sich um die Diasporakatholiken zu kümmern. Sie verloren nie die Aufgabe aus den Augen, für die Menschen da zu sein, für die die Kirche nur schwer Arbeiter finden kann. Deshalb errichteten sie neben einem Noviziat und einem Seminar, auf Wunsch der Regierung auch ein Internat und eine Schule für straffällig gewordene Jugendliche. Diese versuchten sie durch Unterricht und durch Schulung ins normale Leben zurückzuführen. Die Seminaristen sollten später nach Afrika gehen oder den Katholiken in der Diaspora dienen.

Im September 1864 wurde Pater Josef Strub vom Generaloberen Pater Schwindenhammer zum Oberen der jungen deutschen Ordensprovinz ernannt. Der Elsässer Pater Strub war eine charismatische Persönlichkeit. Als er sich der Kongregation anschloß, folgten ihm 13 seiner Freunde, die die gleiche Absicht hatten. Man fühlt sich an den heiligen Bernhard von Clairveaux erinnert, dem 30 junge Leute ins Kloster folgten.

Unter der tatkräftigen Leitung von Pater Strub wuchs die neue Gründung schnell. Immer mehr junge Leute meldeten sich, um Priester oder Bruder bei den Spiritanern zu werden. Die Anfragen kamen nicht nur aus der Nachbarschaft unserer Häuser, sondern von überall her aus Deutschland. Der spätere Pater Anton Jaworski kam aus Oberglogau/Schlesien (heute: Glogowek/ Polen) nach Marienstatt und wurde der erste polnische Spiritaner.

Die "Väter vom Heiligen Geist", wie sie damals genannt wurden, standen nicht nur bei den Gläubigen und Bischöfen in hohem Ansehen, sondern auch bei den Regierungen. Deshalb erhielten sie eine ganze Reihe von Einladungen, noch mehr schulische und soziale Aufgaben zu übernehmen. Man versuchte sie dadurch zu gewinnen, dass man darauf hinwies, dass dies auch zur Förderung des Missionsgedankens beitrage. Der Generalobere wagte aber nicht, noch mehr Aufgaben zu übernehmen oder mehr Niederlassungen zu gründen. Er wollte zunächst das Begonnene konsolodieren.

Wie so oft in der Kirchengeschichte, wenn etwas großen Erfolg verspricht für die Ausbreitung des Reiches Gottes, dann ist der Rückschlag nicht fern. So auch bei den Spiritanern in Deutschland. Politische Kräfte in Bayern, Baden und vor allem Preußen fürchteten den wachsenden Einfluß der katholischen Kirche. Besonders Kanzler Bismarck in Preußen empfand die neu gegründete katholische Zentrumspartei als eine Bedrohung seiner Macht. Als die eigentlichen Urheber des politischen Katholizismus wurden die Jesuiten vermutet. In dem nun beginnenden "Kulturkampf" wurden 1872 die Jesuiten und ihre "Verwandten" in Deutschland verboten. Sie mußten alle ihre Häuser schließen und ihre Aktivitäten beenden. 1873 wurden die Spiritaner zusammen mit den Vinzentinern und Redemptoristen kurzerhand zu "Verwandten" der Jesuiten erklärt. Sie erlitten das gleiche Schicksal wie die Jesuiten. Trotz des Protestes der Mitbrüder und trotz der Solidarität der Gläubigen änderte die Regierung ihre Ansicht nicht. Die Elsässer Pater Bigot und Pater Bangratz hatten kurz zuvor die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen und schrieben an die Behörden: "Ist das der Dank unseres Vaterlandes?" So mußten die Spiritaner im Oktober 1873 Deutschland verlassen und konnten erst im Jahre 1895 nach Knechtsteden zurückkehren.

Bismarck wollte die Kirche schwächen. Da aber der Übergang vom Tod zum Leben, vom Kreuz zur Auferstehung das Grundgesetz des Leibes Christi ist, erwuchs aus dem Tod der Spiritaner in Deutschland neues spiritanisches Leben in einem anderen Kontinent.


Aus den bescheidenen Anfängen entwickelte sich die Duquesne Universität, in der Nähe zum Stadtzentrum von Pittsburgh/USA gelegen. Sie bietet Studienmöglichkeit für rund 10.000 Studenten.
Die Patres und Brüder aus Marienthal und Marienstatt wurden in die Vereinigten Staaten von Amerika gesandt. Dort begannen sie mit der Arbeit unter den Schwarzen. Auch hier wurde der uns nun bekannte Pater Strub zum Superior ernannt. Auf der Suche nach einem zentralen Ort für die Spiritaner besuchte er Bischof Domenec von Pittsburgh. Sein Wahlspruch lautete "Komm Heiliger Geist". Der Bischof empfing Pater Strub mit offenen Armen. Er bot ihm eine Schule für Jungen an und eine Pfarrei für die Deutschen. Pater Strub nahm das Angebot freudig an. Aus der Schule entwickelte sich die heutige Duquesne-Universität und aus diesen Anfängen entstanden die heutigen amerikanischen Provinzen der Spiritaner. Schon am 1. März 1874 wurde die Vizeprovinz der Spiritaner in den USA errichtet.

Pater Helmut Gerads, CSSp



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