Pater Heinz Lemmens ältester Spiritaner weltweit
70 Jahre Priester, Missionar und Lehrer

Wenn man für das Jahr 2004 auf die Zahl der Mitbrüder schaut, die in diesem Jahr ihr "Goldenes Priesterjubiläum" feiern dürfen, dann ist man schon überrascht. Weltweit sind dies insgesamt 52 Mitbrüder. Das Diamantene Jubiläum, d.h 60 Jahre im priesterlichen Dienst dürfen in diesem Jahr noch 24 Mitbrüder feiern. Das Eiserne Jubiläumsfest (65 Jahre) dürfen noch 13 Mitbrüder erleben und das ganz seltene Fest 70 Jahre Priester zu sein, können in diesem Jahr drei Mitbrüder feiern: Neben Bischof Auguste Delisle aus Kanada und Pater Gabriel Berthaud aus Frankreich, ist es mit 97 Jahren der älteste Spiritaner der Kongregation Pater Heinz Lemmens.


Pater Heinz Lemmens
 1913: Familienausflug nach Eupen
 Die Eltern Lemmens mit 3 ihrer 4 Kinder.
 V.l.: Sybilla, Käthe und Heinz. Maria wurde nur
 wenige Monate später geboren.
Gleichzeitig darf der in Aachen geborene Pater auf 75 Jahre in der Kongregation zurückblicken, denn am 5. April 1929 legte er im Kloster Knechtsteden die ersten Gelübde ab.
Beobachtet man den Lebenslauf von Pater Lemmens, so stellt man fest, dass die Ereignisse der Weltgeschichte immer wieder in seinem Leben von Bedeutung waren.
Geboren vor dem ersten Weltkrieg, groß geworden in der Zeit des ersten Weltkriegs, hatte er schon früh Kontakt zur Kongregation vom Heiligen Geist, die ein Haus in Würselen und damit in der Nähe seiner Geburtsstadt Aachen besaßen.
Seine Erstkommunion konnte er erst nach dem ersten Weltkrieg im Alter von 12 Jahren feiern. Im gleichen Jahr begann er seine gymnasiale Schulzeit an der Missionschule Broichweiden. Hier konnte er das erste Mal in Kontakt kommen mit den Missionaren, die ihm den Blick in die Welt öffneten, und schon früh regte sich sein Wunsch als Priester und Missionar nach Übersee zu gehen. Eine Knieverletzung ließ dies zunächst nicht zu, und so wurde Pater Lemmens als Lehrer in Speyer eingesetzt.
Aber auch hier sollte die Zeitgeschichte wieder eine Rolle spielen.

Pater Heinz Lemmens
 Pater Lemmens wurde am 8.Aprik 1934 in
 Knechtsteden zum Priester geweiht, und eine
 Woche später feierte er seine Primiz in der
 Pfarrgemeinde St. Jakobs in Aachen.
1938 wurden in Bayern von den Nationalsozialisten die katholischen Schulen geschlossen. Damit war auch der Lehrtätigkeit von Pater Heinz Lemmens ein Ende gesetzt.
Wenn auch die politische Situation für die Kirche immer schwieriger wurde, so entwickelte sich für Pater Lemmens etwas Positives: Er durfte nach Afrika ausreisen in das heutige Nigeria. Er war in der Präfektur Benue eingesetzt, doch auch dort sollte sein Aufenthalt nicht von langer Dauer sein, denn mit dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges zwangen die Briten ihn in den südlichen Teil Nigerias zu gehen.
Hatte er bisher neben seiner seelsorglichen Tätigkeit den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die Schulen gelegt, so wurde ihm diese pädagogische Aufgabe versagt. Der einzige Grund hierfür war seine deutsche Staatsangehörigkeit. Dies war auch der Grund für seine Internierung, gemeinsam mit über 200 Deutschen und 400 Italiener mußte er den afrikanischen Boden verlassen und wurde in Jamaika interniert. Die gesamte restliche Kriegszeit und noch zwei weitere Jahre wird dann das Internierungslager die Heimat des mittlerweile 33jährigen.
Sein Engagement galt auch hier wieder dem Unterricht und der Sorge um die oft jugendlichen Internierten, für die er ab 1941 mit Hilfe weiterer Internierter ein weiterführende Schule aufbaute.

Pater Heinz Lemmens
 Maria Lemmens besuchte ihren Bruder in
 Sarasota, Florida.
 Am 8.April feierte Maria ihren 90. Geburtstag
und Heinz sein 70 - jähriges Priesterjubiläum.
Es dauerte zwei Jahre, bis er intensiver Verhandlungen des amerikanschen Provinzials in die Vereinigten Staaten ausreisen konnte.
Noch im gleichen Jahr wurde er wieder als Dozent an der Duquesne Universität eingesetzt und kehrte nicht mehr nach Deutschland zurück.
Mit 40 Jahren begann er somit einen neuen Lebensabschnitt, wenn auch seine Tätigkeit gleich als Lehrer gleich blieb. Gleichzeitig aber schrieb er sich nochmals an der Universität von Cinncinnati ein, wo er 1950 in deutsche Sprache promovierte. Insgesamt 30 Jahre blieb er dann der Universität treu und erst 70jährig wurde er von seinen Pflichten an der Universität entbunden.
Jetzt begann sein Missionseinsatzin Puerto Rico, wo er in einer Pfarrei mitarbeitete. Im "jugendlichen" Alter von 79 Jahren kehrte er diesem missionarischen Einsatz den Rücken, weil sein Augenlicht so stark nachließ, dass er für blind erklärt werden mußte.
1986 schlug er dann seine Zelte in Florida auf und lebte hier mit seinen Mitbrüdern in einem Haus für ältere Mitbruder bis 2001.
Mittlerweile 94 Jahre alt geworden, zog er nach Bethel Park um ins Libermann Haus und nimmt hier am Leben der Kongregation noch immer geistig aktiv teil.

Zum Schluss eine kleine Anmerkung: In der Vorbereitung zu diesem Artikel war die Autorin auf der Suche nach einigen Photos und nahm Kontakt auf zu den Spiritanern in den Vereinigten Staaten. Zum Erstaunen kam die Antwort aus Aachen. Dort lebt Pater Lemmens Schwester Maria, die am Tag der Priesterweihe ihren 90. Geburtstag feiern wird.

Agnes Kremer - Schillings
 
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