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Notel in Köln

Unsere Mission gilt Menschen am Rand der Gesellschaft - in Deutschland und weltweit.

Das NOTEL - die Notschlafstelle für Drogengebraucher in Köln ist ein Beispiel für dieses Engagement.

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Spiritanermission in Haiti

13.03.2017

Die Spiritaner sind seit 1843 in Haiti. Damals bereitete Eugen Tisserant den Vertrag zwischen Kirche und Staat vor, der 1860 unterzeichnet wurde. Seither arbeiten die Spiritaner mit an einer lebendigen Ortskirche und einer Gesellschaft im Gleichgewicht.

Pater Serro (mit Mikrofon) ermutigt Kinder, junge Menschen und Eltern nach vorne  zu schauen.

Pater Serro (mit Mikrofon) ermutigt Kinder, junge Menschen und Eltern nach vorne zu schauen.

In den Armen das Antlitz des leidenden Christus sehen

Wir begleiten das haitianische Volk auf seinem Weg der Befreiung in einem Umfeld allgemeiner Armut, großer politischer Instabilität und Verletzlichkeit angesichts der Unwägbarkeiten der Natur. Nach dem Erdbeben von 2010, das die Gegend von Port-au Prince verwüstet hat, musste das Land im vergangenen Oktober den Vorübergang des Hurrikans Matthew überwinden, der enorme Schäden angerichtet hat, besonders im Süden aber auch im Nordwesten.

Außer den menschlichen Opfern – etwa 1000 – sind die Wohnungen betroffen, Dächer abgedeckt, Bäume gebrochen oder entwurzelt, Vieh und Kulturgüter vernichtet. Heute gibt es die Gefahr von Hunger, Trockenheit und Cholera-Epidemie. Die nationale und internationale Hilfe kann sich kaum entfalten, um auf die Vielfalt der Bedürfnisse zu antworten. In diesem besonderen Umfeld bringen wir weiterhin unsere Arbeit voran wie von Anfang an und arbeiten auf verschiedenen Feldern.

Das Schulgebäude nach dem Erdbeden in 2010.

Das Schulgebäude nach dem Erdbeden in 2010.

 Schüler des Gymnasiums St. Martial in Port-au-Prince

Schüler des Gymnasiums St. Martial in Port-au-Prince

Bildung fürs Leben

Die formelle Erziehung ist eine unserer Haupttätigkeiten, besonders am Gymnasium St. Martial. Gegründet durch den ersten Bischof von Port-au-Prince und schnell den Spiritanern anvertraut, war es anfangs ein kleines Seminar für die Erziehung künftiger haitanischer Priester, die die Kirche nötig hatte. Heute hat es zwar den Namen noch behalten, aber das kleine Seminar St. Martial hat nicht mehr diese erste Funktion. Es ist zu einer klassischen Schule geworden.

Es ist zu unterstreichen, dass anfangs unsere Schüler vorwiegend von wohlhabenden Familien kamen. Und so wurde unsere Präsenz immer als eine Garantie für qualifizierte Ausbildung wahrgenommen – im Vergleich zu andern öffentlichen oder privaten Einrichtungen. Viele von ihnen haben bedeutsame Aufgaben im Land übernommen und darüber hinaus auf religiöser wie auf weltlicher Ebene. So hat das Gymnasium St. Martial zur Ausbildung zahlreicher haitanischer Priester und Bischöfe beigetragen, die heute noch im Dienst sind, wie etwa Kardinal Chibly Langlois oder der Erzbischof von Port-au-Prince, Monsignore Guire Poulard. Wir zählen auch unter unseren ehemaligen Schülern viele Politiker, die in Haiti oder anderswo arbeiten, Schriftsteller, Geschäftsleute und andere Unternehmer. Viele von ihnen bleiben ihrer Schule eng verbunden und pflegen den „Geist von St. Martial" inmitten des „Freundeskreises der ehemaligen Schüler".
Sie sind für uns eine kostbare Unterstützung in allen unseren Entwicklungs- und Erneuerungsaktivitäten.

Nachdem wir Haiti's Elite ausgebildet hatten, um den Grund der entstehenden Gesellschaft zu legen, haben wir uns den Jugendlichen zugewendet, die aus größeren sozialen Unterschieden stammen. Das Ziel war jetzt, möglichst vielen eine solide Erziehung anzubieten und ihnen zu helfen, der Armut zu entkommen und ihr Leben auf sichere Werte zu bauen. Das ist auch heute noch unsere Vision, was umso wichtiger ist im gegenwärtigen soziopolitischen Umfeld, das dazu beiträgt, das Land zu schwächen. Unsere Devise ist: eine hervorragende Erziehung für alle. Wir müssen an beidem festhalten: dem „hervorragend" und dem „für alle". Wir setzen uns dafür ein, dass die Jungen, die uns anvertraut sind, sich ihrer Verantwortung beim Bau einer gerechteren und stabileren Gesellschaft bewusst sind.

Schüler des Gymnasiums St. Martial in Port-au-Prince

Schüler des Gymnasiums St. Martial in Port-au-Prince

Im Dienst der Ortskirche

Eine der zwei Gemeinden, die wir auf ländlichen Gebieten betreuen, befindet sich in Furcy. Furcy liegt in der Diözese Port-au-Prince und ist 1300 Meter hoch gelegen. Es ist etwa 50 Kilometer von der haitanischen Hauptstadt entfernt.

Die Leute leben im Wesentlichen von der Landwirtschaft, die sehr abhängig ist von Zufällen und vom Wetter. Die Spiritaner kümmern sich um die Gemeindeseelsorge wie auch um die erzieherische und soziale Begleitung der Dorfbewohner. Der Staat ist praktisch abwesend in dieser Gegend. Es gibt keine Grundversorgung, kein Trinkwasser, keine Gesundheitsvorsorge. Ein besonderes Problem, mit dem wir uns im Augenblick konfrontiert sehen, ist das der Mädchen-Mütter. Junge Mädchen haben schon mehrere Kinder, ohne dass ein Vater zu sehen ist. Wir möchten die jungen Menschen zur Achtsamkeit gegenüber ihrem Körper erziehen.

Was die Umwelt anbelangt, sind die Berge von Furcy sehr stark abgeholzt worden durch den unkontrollierten Raubbau an den Waldbeständen. Die Pfarrei versucht, die Bevölkerung zu sensibilisieren, indem sie ein Baumschulprojekt startet im Hinblick auf die Aufforstung der Gegend. Das erfordert einen besonderen Fleiß, ist aber vielversprechend.

Die Jugendlichen hören ihren Begleitern aufmerksam zu.

Die Jugendlichen hören ihren Begleitern aufmerksam zu.

Den Alltag der Jugend begleiten

Ein Mitbruder, Pater Serro Michel, arbeitet zurzeit mit im Erziehungs- und Sportzentrum von Solino, einem bekannten Viertel von Port-au-Prince. Er begleitet den schwierigen Alltag von zahlreichen Jugendlichen, die auf der Suche nach ihrer Zukunft sind. Hier begegnet er täglich dem Angesicht Christi, der in dieser Bevölkerung leidet.

Solino ist eine der Vorstädte von Port-au-Prince und hat mehr als 50.000 Einwohner. Es ist eine Gegend, die den Charakteristiken des Wortes Ghetto entspricht in der haitianischen Sprache. Eine Gegend mit einer großen Konzentration von Menschen ohne jede Infrastruktur. Es herrschen Gewalt, Alkoholismus, Drogen, Prostitution und Ausbeutung. Mit Hilfe einer amerikanischen Nichtregierungsorganisation (Catholic Refugies Services, CRS) haben wir ein Programm sozialer Begleitung begonnen, das mehrere Hilfsbereiche umfasst.

Zuerst ein Programm schulischer Unterstützung, wo wir die gefährdeten Kinder aufnehmen. Wir empfangen sie jeden Montag, Mittwoch, Freitag und Samstag. Wir helfen ihnen bei ihren Hausaufgaben und vertiefen das Erlernte.

Von Anfang an haben wir festgestellt, dass der Unterricht nicht das einzige Bedürfnis ist. Tatsächlich gehen die Kinder, die in unser schulisches Hilfsprogramm kommen, mit leerem Magen in die Schule und kommen von dort zurück ohne die Hoffnung, zu Hause etwas zu essen zu finden.

Generalobere der Spiritaner, Pater John Fogarty besucht Mitbrüder in Haiti

Der Generalobere der Spiritaner, Pater John Fogarty (hintere Reihe, Mitte), zeigt durch seinen Besuch in Haiti, dass die Generalleitung der Gemeinschaft die Sorgen der Mitbrüder mitträgt.

Die Nöte sind enorm

Aus diesem Grund haben wir uns in den ersten Monaten bemüht, ihnen jeden Freitag ein warmes Essen zu bieten. Als wir das Interesse der Kinder bemerkten, haben wir entschieden, ihnen bei jeder Sitzung ein warmes Essen zu bieten, also viermal pro Woche. Das hat die Bitte der Eltern, ihre Kinder zum Programm anzumelden, drastisch erhöht. Leider konnten wir nur hundert Kinder aufnehmen.

Die Nöte sind enorm, aber leider sind unsere Mittel äußerst beschränkt. Wir müssen uns immer daran erinnern, dass die Arbeit, die wir tun, ein von Gott übernommener Auftrag ist. So können wir immer mit der Kraft des Heiligen Geistes rechnen, der uns die Kraft gibt, weiterhin unseren ärmsten Brüdern und Schwestern zu dienen und in ihnen das Antlitz des leidenden Christus zu sehen.

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