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Freundschaft überwindet Raum und Zeit - Interview mit Pater Peter

Wer einer neuen Kultur und Menschen möglichst vorurteilsfrei begegnet, dem wird eine neue Welt eröffnet. Wie dies geschieht, erzählt Pater Peter Nwanowanye. In einem Kurzinterview mit Pater Samuel Mgbecheta gewährt der ehemalige Schulseelsorger des Heilig Geist Gymnasiums in Broichweiden bei Aachen einen kurzen Einblick in seine jetzige Tätigkeit als Ausbilder im Priesterseminar der Spiritaner in Nigeria.

Pater Peter

Pater Peter während einer Hl. Messe

P. Samuel: Wenn du auf deinen fünfjährigen Einsatz in Deutschland zurückblickst, was fällt dir ein?

P. Peter: Danke für diese Gelegenheit, um über meinen missionarischen Einsatz in Deutschland nachzudenken. Es war für mich eine Bereicherung. Es bot mir die Gelegenheit, neue Kultur, andere Denkweise bzw. Mentalität kennenzulernen und neue Erfahrungen zu sammeln.
Vorher hatte ich einen Studienaufenthalt in Pittsburgh in USA, aber Europa hatte ich noch nie besucht. Im Jahr 2003 erhielt ich eine Einladung von der deutschen Provinz der Spiritaner. Sie brauchte einen Schulseelsorger für ihr Gymnasium in Broichweiden bei Aachen. Ich kam in September an und fing sofort mit dem Sprachkurs an. Nach Beendigung des sechsmonatigen Sprach-und Integrationskurses war ich als Seelsorger am Heilig-Geist Gymnasium tätig. Ich sollte die Schüler und das Lehrpersonal geistlich begleiten. Zu meiner Aufgabe gehörten: Gottesdienste zu verschiedenen Anlässen; Wallfahrten zu organisieren; persönliche, geistliche Gespräche (bei Bedarf) zu führen und Teilnahme an Aktivitäten der Schule, vor allem an Ausflügen mit den Schülern. Auch durfte ich gelegentlich Religionsunterricht erteilen. Am Anfang war es nicht leicht, mit den Schülern ins Gespräch zu kommen. Ich erinnere mich noch an meinen ersten Gottesdienst mit den Schülern. Dabei hatte ich ein Wort falsch ausgesprochen und alle brachen in Gelächter aus. Ich wusste nicht warum sie lachten; aber als ich sie fragte, erklärten sie mir es. Danach habe ich mir mehr Zeit genommen für die Vorbereitung und es hat sich wirklich gelohnt. Mit der Zeit konnte ich durch regelmäßige Übung meine Deutschkenntnisse und Ausdrucksweise verbessern. Dadurch fand ich einen guten Draht zu den Schülern und der gesamten Schulgemeinde. Gegenseitiges Vertrauen wurde entwickelt und echte Freundschaften sind auch entstanden, sowohl mit dem Lehrpersonal als auch mit den Schülern.
Ich weiß diese Erfahrung zu schätzen, denn dadurch entdeckte ich, wie man mit den Jugendlichen und Menschen anderer Kultur gut umgehen kann. Offenheit und die Fähigkeit, anderem zuzuhören; das sind Werte, die nicht nur Schülern, sondern auch Menschen aller Kulturen wichtig sind.
Vor meiner Ankunft in Deutschland dachte ich, dass die Deutschen zurückhaltend sind; aber mein Aufenthalt in diesem Land und meine Begegnungen mit deren Bürgern haben dieses Vorurteil korrigiert. Das Lehrpersonal, die Schüler und ihre Eltern wie auch andere Menschen, mit denen ich Kontakt haben konnte, haben sich als freundlich, hilfsbereit und zuverlässig erwiesen. Die Freundschaft, die zwischen mir und diesen Menschen entstanden ist, überdauert Raum und Zeit. Daher komme ich fast alle zwei Jahre nach Deutschland, um sie zu besuchen.

 

Pater Peter mit Schülern des Heilig Geist Gymnasiums

Pater Peter mit Schülern des Heilig Geist Gymnasiums

P. Samuel: Was hast du danach gemacht?

P. Peter: Mein Einsatz in Deutschland ging im Jahr 2008 zu Ende. Ich kehrte dann in meine Heimat zurück, um mich einer neuen Aufgabe zu widmen. Zunächst arbeitete ich als Vikar in der Pfarrei St. Mulumba im Bistum Enugu. Diese Gemeinde wurde den Spiritanern anvertraut. Ich half bei liturgischen Feiern wie auch in der Begleitung verschiedener Gruppen mit. Meine Mitarbeit dauerte nur 5 Monate. So machte ich mich im Juni 2009 auf den Weg in die Philippinen. Ich sollte mich im Fachbereich Philosophie weiterqualifizieren, um mich auf eine Stelle in unserem Priesterseminar in Nigeria vorzubereiten. Insgesamt 4 Jahre habe ich auf den Philippinen verbracht. Im 2013 ging ich nach Nigeria zurück.

Pater Peter genießt einen Ausflug mit Angestellten eines Krankenhauses in Cebu, Philippinnen. Er war Seelsorger des Krankenhauses.

Pater Peter genießt einen Ausflug mit Angestellten eines Krankenhauses in Cebu, Philippinnen. Er war Seelsorger des Krankenhauses.

P. Samuel: Wie hast du die Kirche und die Menschen auf den Philippinen erlebt?

P. Peter: Die Kirche auf den Philippinen ist jung und lebendig. Was meine ich? Ich wollte sagen, dass junge Leute an den Gottesdiensten und Aktivitäten der Gemeinden aktiv teilnehmen und diese auch mitgestalten. Sie sind verantwortungsbewusst. Daher ist die Kirche lebendig. Grundsätzlich ist die philippinische Bevölkerung mit etwa 92 Prozent überwiegend christlich. Davon sind 81 Prozent katholisch und 11 Prozent evangelisch. Persönlich habe ich die Menschen auf den Philippinen als gastfreundlich erlebt.

P. Samuel: In welchem Land lebst und arbeitest du zur Zeit?

P. Peter: Zur Zeit lebe ich in meiner Heimat Nigeria. Nach meiner Rückkehr im 2013 wurde ich als Dozent an der philosophischen Hochschule der Spiritaner in Isienu, Nsukka eingesetzt.

P. Samuel: Welche Aufgabe versiehst du dort?

P. Peter: Als ich im Jahr 2013 anfing, wurde mir neben der Lehrtätigkeit als Dozent auch das Amt des Vize-Rektors übertragen. Das heißt, ich bin der Stellvertreter des Hochschulrektors. Als Philosophiedozent unterrichte ich die Philosophie der Antike, Afrikanische Philosophie, moderne Philosophie usw. Zusätzlich dazu wurde ich im Jahr 2015 zum Dekan der Hochschule ernannt. Unsere Hochschule ist mittlerweile an die Universität Nigerias Nsukka angeschlossen. Sie ist eine Art Campus der Universität geworden.

P. Samuel: Wie viele Seminaristen studieren an eurer Hochschule?

P. Peter: Zur Zeit haben wir 165 Seminaristen, die aus den 4 Provinzen der Spiritaner in Nigeria stammen. Aber im kommenden Schuljahr erwarten wir einen Zuwachs, was die Zahl der Seminaristen angeht. Darüber hinaus werden einige Kurse der Philosophischen Fakultät der Universität an unserer Hochschule belegt. Es studieren deshalb semesterweise Studenten der Universität auch bei uns.

Ein Teil der Priesteramtskandidaten mit ihren Dozenten. Vlnr 2. Reihe Pater Peter (mit weißem Bart)

Ein Teil der Priesteramtskandidaten mit ihren Dozenten. Vlnr 2. Reihe Pater Peter (mit weißem Bart)

P. Samuel: Wie sieht die Priesterausbildung in Nigeria aus?

P. Peter: In Nigeria gibt es viele jungen Menschen die sich in verschiedenen Priesterseminaren ausbilden lassen und sich auf die Priesterweihe vorbereiten. Man kann sogar vom „Nachwuchsboom" sprechen.
In den Priesterseminaren wird ihnen beigebracht, was es bedeutet, Priester zu sein und in der katholischen Kirche zu arbeiten. Neben der intellektuellen Bildung widmen sie sich ihrer geistlichen und psycho-sozialen Entwicklungen. In der Regel dauert die Priesterausbildung in Nigeria zwischen 9 und 12 Jahren. In diesen Jahren beschäftigen sich die Priesteramtskandidaten hauptsächlich mit den Fächern Philosophie, Anthropologie, Theologie, Exegese, Spiritualität, Psychologie, Management, Interkulturelle Kommunikation usw. Natürlich gehören auch dazu geistliche Übungen wie die tägliche Teilnahme an der Heiligen Messe, tägliche Meditation der Heiligen Schrift, regelmäßiges-persönliches Gebet, jährliche Exerzitien und Teilnahme an einer monatlichen, geistlichen Begleitung durch einen Priester.
Da wir einem Missionsorden angehören, achten wir darauf, dass wir nicht nur Priester sondern Missionare ausbilden. Unser Ziel ist es, diese jungen Menschen so zu befähigen, dass sie an der weltweiten Mission der Spiritaner teilnehmen und auch mitgestalten können. Daher wird viel Wert gelegt auf das Gemeinschaftsleben wie auch auf die Fähigkeit in anderen Kulturen zu leben und zu arbeiten.

Bishop John Bonaventure Kwofie von Sekondi-Takoradi in Ghana leitet die Eucharistiefeier anlässlich des 50 jährigen Gründungsjubiläums der Philosophischen Hochschule der Spiritaner in Isienu-Nsukka. Er ist ehemaliger Student dieser Hochschule.

Bishop John Bonaventure Kwofie von Sekondi-Takoradi in Ghana leitet die Eucharistiefeier anlässlich des 50 jährigen Gründungsjubiläums der Philosophischen Hochschule der Spiritaner in Isienu-Nsukka. Er ist ehemaliger Student dieser Hochschule.

P. Samuel: Welche Herausforderungen erlebt ihr dort? Und wie geht ihr damit um?

P. Peter: Wie ich schon gesagt habe, haben wir mit einem „Nachwuchsboom" zu tun. Dies bedeutet, dass wir mehr Mitbrüder brauchen, die sich für die Ausbildung künftiger Priesteramtskandidaten einsetzen. Zur Zeit sind wir unterbesetzt. Und diese Aufgabe ist nicht jedermanns Sache. Diejenigen, die in Frage kämen, müssen geschult werden in der geistlichen Begleitung von erwachsenen Menschen.
Auch benötigen wir finanzielle Mittel, um den Seminaristen eine ordentliche, solide Ausbildung zu ermöglichen. Zum Beispiel: unsere Philosophische Hochschule wurde vor mehr als 50 Jahren gebaut. Damals war die Zahl der Priesteramtskandidaten weniger als 50. Aber heute hat sich die Zahl verdreifacht und die Gebäude sind immer die gleichen. Wenn man diese Entwicklung ernst nimmt, bedeutet es, dass wir neue Wohnheime, modernisierte Bibliothek, größere Kapelle, und vergrößerte Hörsäle brauchen. Diese Projekte werden viel Geld in Anspruch nehmen. Aus diesem Grund haben wir anlässlich des 50-jährigen Gründungsjubiläums der Hochschule im Dezember 2015 eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Zwar haben wir Unterstützung von unseren Wohltätern in Nigeria erhalten, aber der Erlös ist unbedeutend im Verglich zur augenblicklichen Notlage. Daher würden wir uns sehr freuen, wenn uns Hilfe vom Ausland zukommen könnte.

Die Seminaristen vor dem Beginn des Jubiläumsgottesdienstes.

Die Seminaristen vor dem Beginn des Jubiläumsgottesdienstes.


03.08.2017

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Pater Peter

Pater Peter Nwanowanye, Vize-Rektor und Dekan der philosophischen Hochschule der Spiritaner in Isienu, Nsukka.