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Kein Mitleid - sondern Gerechtigkeit!

Nicht allein die Symptome mildern, sondern die Ursachen verändern.

Die Not vieler Menschen ist die Folge von Ungerechtigkeit.

Als Spiritaner engagieren wir uns für gerechtere Strukturen in der Welt.

Ohne Transparenz gedeiht soziale Ungerechtigkeit

08.12.2016

Bischof John Bonaventure Kwofie von Sekondi-Takoradi im Süden Ghanas stellt sich den Fragen von kontinente.

Nach vielen Jahren in verschiedenen Leitungsfunktionen in der Kongregation – als Provinzial der Westafrikanischen Provinz, als Mitglied des Generalrates in Rom und als Dozent an der spiritanischen Hochschule in Nigeria und der Duquesne Universität in den USA – leitet John Bonaventure Kwofie, 58, seit 2014 das Bistum Sekondi-Takoradi in Ghana. Über seine Erfahrungen sprach er mit Pater Samuel Mgbecheta, CSSp.

Bischof Kwofie überreicht Lebensmittel für das Zentralgefängnis in Sekondi

Bischof Kwofie überreicht Lebensmittel für das Zentralgefängnis in Sekondi

Wie haben Sie auf Ihre Ernennung zum Bischof der Diözese Sekondi-Takoradi reagiert?

Ich war zu diesem Zeitpunkt an der Duquesne Universität in den USA, wo ich unterrichtete und mich auf mein Doktorat vorbereitete. Es war zunächst ein Schock für mich, denn ich hatte so etwas nicht in meinen Überlegungen. Jedoch ließ mich der Glaube an Gott, der ruft und der weiß, was er mit uns tun will, standhaft stehen und die Neuigkeit der Nominierung akzeptieren.

Kwofie umgeben von Messdienern und einem Diakon

Welchen Wahlspruch haben Sie gewählt?

Der Spruch „duc in altum" („Fahr hinaus auf den See!"), den ich für meine Bischofsweihe gewählt habe, ist dem Evangelium nach Lukas 5,4 entnommen. Diese Stelle erinnert uns an das Ereignis im Evangelium, wo die Jünger die ganze Nacht durchgefischt und nichts gefangen hatten und Jesus sie bat, beim Morgengrauen erneut im tiefen Wasser zu fischen. Mein Wahlspruch enthält eine pastorale Strategie. Er lädt uns ein, unseren pastoralen Plan, unser Engagement als Christen und natürlich unser Zeugnis in der Gesellschaft zu überdenken; ja, Gott ruft uns alle –Priester, Ordensleute, Gläubigen – tiefer zu gehen, um bessere Ergebnisse zu erzielen.

Welches Ziel haben Sie sich zu Beginn Ihres Episkopats gesetzt?

Ich denke, dass die Zeit vorbei ist, dass ein Verantwortlicher seinen Willen dem Volk aufdrängte. So habe ich mich nach meiner Weihe mit den Priestern und Ordensleuten getroffen, sowie mit einigen Laien, die in den verschiedenen Büros der Diözese arbeiten. Ich habe ihnen gesagt, dass es für uns wichtig ist, zusammen auszuarbeiten, was wir als Kirche tun wollen. Welche Art von Kirche möchten wir in unserer Diözese sein? Wir wissen, wo wir waren und woher wir kommen. Aber wohin möchten wir gehen? Ich habe ihnen gesagt, dass ich dies mit ihnen gemeinsam ausarbeiten möchte.
Seit meiner Weihe habe ich alle 52 Pfarreien der Diözese besucht. Jeder Besuch einer Pfarrei hat meine Perspektive verändert. Danach habe ich mit ein wenig Abstand auf die Diözese geschaut und die Aufgabe gesehen, die vor mir liegt. Sie ist wirklich groß, und ich kann sie nur tun mit den Priestern, den Ordensleuten und den engagierten Laien. Es ist unsere Arbeit für unsere Diözese.

Bischof Kwofie spricht das Weihegebet über die Priesteramtskanditen und erbittet für sie den Heiligen Geist

Bischof Kwofie spricht das Weihegebet über die Priesteramtskanditen und erbittet für sie den Heiligen Geist

Sie haben zu „größerer Transparenz und Verantwortung in allen Ebenen des sozial-politischen und wirtschaftlichen Lebens" aufgerufen. Warum?

Es ist wahr. Ich habe diese Aussage gemacht, weil ich denke, dass jede Gesellschaft, die nicht transparent und verantwortlich ist, riskiert, seine eigenen Bürger auszubeuten. Es besteht das Risiko, die Bürger ärmer zu machen, weil der Reichtum der Gesellschaft in den Taschen nur weniger Leute bleibt. Ich erwähnte
dies, weil uns die Strukturen fehlen, die Menschen verantwortlich machen. Und Verantwortlichkeit betrifft jeden Sektor der Gesellschaft, nicht nur die Regierung, sondern auch die Kirche, die Familie und die Schule.

Welche Maßnahmen könnten ergriffen werden, damit die Kirche in diesem Bereich ein gutes Beispiel gibt?

In meiner Diözese tun wir bereits etwas. Zum Beispiel: Unser Buchhaltungssystem war nicht das Beste und hat sich in der Praxis nicht als gut herausgestellt. So haben wir eine neue diözesane Finanzpolitik eingeführt. Sie wurde vom Finanzkomitee der Diözese entworfen und später an alle Priester geschickt, damit sie ihre eigenen Kommentare dazu abgeben. Es ist ein Weg, unsere Priester und Mitarbeiter
transparenter und verantwortlicher zu machen. So müssen Schecks nicht nur von einer Person, sondern von zwei oder drei Personen unterschrieben werden. Wir haben ein „bargeldloses System der Überweisungen" eingeführt. Das heißt, wir stellen Schecks aus statt Bargeld zu verwenden. Das macht es einfacher festzustellen, wann ein Betrag ein- oder ausgezahlt wurde. Ich habe diesen Gedanken meinen Priestern näher gebracht und sie haben es akzeptiert. Dies ist ein kleines Beispiel, wie man Transparenz und Verantwortlichkeit in der Gesellschaft fördert. Wo es keine Transparenz und Verantwortlichkeit gibt, da gedeiht soziale Ungerechtigkeit. In solch einer Situation wird Macht auf eine Person übertragen und nicht geteilt; sie ist nicht teilhabend. Macht muss teilhabend sein. Wenn jemand die Autorität besitzt, dann ist er nicht derjenige, der alles in allem ist. Er muss andere Menschen mit an Bord nehmen. Der Mangel an Erziehung bringt Armut hervor, die Ausbeutung der Armen, die Ignoranz der Menschen; Menschen bereichern sich oft selbst in ihrer Unwissenheit!

Sie sprachen von teilhabender Autorität. Wie reagierten Ihre Priester, Ordensleute und Laien darauf?

Soweit gibt es kein ungutes Gefühl. Ich möchte ihnen zu verstehen geben, dass die Diözese unsere Diözese ist und nicht nur die Diözese des Bischofs. Wenn man mich den Hirten der Diözese nennt, und es gibt 52 Pfarreien, weitere elf sind errichtet, und insgesamt derzeit 302 Außenstationen, wie oft könnte ich jede Pfarrei in einem Jahr besuchen? So ist die Anwesenheit des Bischofs an jedem Ort minimal. Deshalb bin ich angewiesen auf die Priester, die Gemeindeleiter und die Katechisten, wo immer sie sind. Wenn sie ihre Aufgaben nicht gut wahrnehmen, dann kann ich meine Rolle auch nicht gut wahrnehmen. Ich führe die Menschen durch sie. So müssen wir alle verstehen, dass die Leitungsaufgabe des Bischofs geteilt ist, wenn wir glauben, dass die Kirche unsere Kirche ist. Soweit geben meine Priester ihr Bestes. Ich versuche, sie mehr und mehr einsehen zu lassen, dass der Bischof nicht die Antwort auf alle Fragen hat, sondern dass wir zusammen die Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit finden und auf die Fragen, die uns unsere Mitbürger stellen.

Nach zwei Jahren im Amt als Bischof: Gibt es schon Erfolgsgeschichten, die Sie mit uns teilen möchten?

Ich möchte nichts als Erfolg betrachten. Vielmehr waren diese zwei Jahre für mich Jahre der Entdeckung. Ich bin oft sehr bewegt von der Begeisterung unserer Gläubigen, die ihre Kirche sichtbar machen möchten. Die meisten Kirchen, die ich besucht habe, haben materielle Bedürfnisse, die wir nicht übersehen oder vernachlässigen dürfen. Sie haben materielle Not, ihre eigene Kirche zu bauen. Leider ist dies ein Bereich, für den Spender kein Geld geben, obwohl dies sehr wichtig ist für das Leben der Gesellschaft. In vielen Orten haben sie mit dem Bau der Kirchen oder Pfarrhäuser begonnen, aber können sie nicht fertig stellen. Sie bitten hier und dort um Hilfe. Wenn ich einen Ort besuche, dann hält man eine Willkommensrede, aber es ist keine Willkommensrede, sondern eine Litanei der Nöte, die sie mir vortragen. Dies sind die wirklichen Bedürfnisse vor Ort, der wir als Diözese begegnen müssen. Die Schulen haben auch keine guten Strukturen. Manche sind baufällig. In anderen kann man es sich kaum vorstellen, wie Menschen dort sitzen und lernen können. Es sind materielle Nöte, die die Diözese nicht übersehen darf.

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