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Über die internationalen Verflechtungen des Zuckerhandels
Des Zuckers schwarze Seele 20 junge Erwachsene, die bald als "MissionarInnen auf Zeit" nach Afrika und Südamerika ausreisen, besuchten ein Vorbereitungsseminar in Stuttgart bei den Spiritanern. Es ging darum, entwicklungspolitische Strukturen kennen zu lernen. Konkretes und hochaktuelles Beispiel für politische und wirtschaftliche Verflechtungen zwischen Erster und Dritter Welt ist der Zucker - ein Produkt, das jeder kennt und täglich konsumiert. Am Ende des Seminars verfassten Teilnehmende nachfolgenden Artikel. Zucker ist ein Grundnahrungsmittel, über Reformvorschläge für dessen Herstellung und Vermarktung die EU-Agrarkommision am 14. Juli verhandelt hat. ![]() Die protektionistische europäische Zuckermarktordnung (ZMO) regelt das Geschäft mit dem Zucker. Doch der internationale Druck auf die europäische Union wächst, besonders die Welthandels- organisation (WTO) fordert die Liberalisierung des Zuckermarktes. Bisher verhinderten die strengen Bestimmungen der ZMO den Import von günstigem Rohrzucker aus weniger entwickelten Ländern zugunsten des im Anbau und in der Herstellung teureren europäischen Rübenzuckers. Zu den Forderungen der WTO gehören die Öffnung des Marktes, das heißt, der Abbau von Schutzzöllen und Subventionen, sowie die Angleichung an den Weltmarktpreis. Dies ginge auf Kosten der europäischen Rübenbauern, für die sich das Geschäft mit dem Zucker nur durch die von der EU garantierten Mindestpreise lohnt. Ganz anders jedoch in den produktionsstarken südlichen Ländern, wie z. B. Brasilien. Dort zeigt sich die schwarze Seele des Zuckers: Der Anbau von Rohrzucker ist durch die günstigen Umweltbedingungen wesentlich rentabler als der Anbau von Zuckerrüben in Europa. Aber besonders das Fehlen von Sozial- und Umweltauflagen ermöglicht großen Unternehmen die günstige Herstellung von Zucker und dessen Verkauf auf dem Weltmarkt zu bedeutend billigeren Preisen als der EU-Zucker. So verdient z. B. ein haitianischer Plantagenarbeiter in der Dominikanischen Republik nur umgerechnet ca. zwei Euro pro Tag und dies ist immer noch mehr, als er in seinem Heimatland verdienen würde. Gleichzeitig lebt er jedoch unter miserabelsten Bedingungen, da die dominikanischen Plantagenbesitzer nur auf die Produktion und nicht auf die Einhaltung der Menschenrechte achten. Ohne jegliche soziale Absicherung arbeitet er Tag für Tag, immer in der Ungewissheit abgeschoben zu werden. Plantagenbesitzer können ihren Zucker zu günstigen Weltmarktpreisen anbieten, nur der europäische Markt bleibt ihnen bisher verschlossen. Doch nur durch den geschützten Zuckeranbau in der EU wird das Überleben der europäischen Rübenbauern gesichert. Deren Lobby setzt sich innerhalb der EU vehement gegen die vollständige Öffnung des Marktes ein. Angesichts des internationalen Drucks kommen die EU und die europäische Zuckerindustrie den Forderungen der WTO und der südlichen Zuckerproduzenten entgegen, indem sie sich mit der teilweisen Einschränkung des Zuckeranbaus in Europa einverstanden erklären. So soll ein kleiner Teil des Marktes für sozial- und umweltverträglich angebauten Zucker aus den am wenigsten entwickelten Ländern der Erde geöffnet werden.
Fraglich jedoch bleibt, ob die Öffnung des europäischen Marktes eine Besserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in den zuckerproduzierenden Ländern der sogenannten "Dritten Welt" zur Folge hätte. Zumal die so zu importierende Menge Zucker gering wäre, weil in Europa nach wie vor genug Zucker für den Eigenbedarf produziert würde.
Das Forum für Umwelt und Entwicklung fordert eine Senkung der Zuckerproduktion weit über den Vorschlag der EU hinaus auf 90 % des Eigenbedarfs, sodass die am wenigsten entwickelten Länder die restlichen zehn Prozent importieren dürfen. Die Vergabe der Lieferrechte soll dabei an soziale und ökologische Mindestbedingungen geknüpft werden, wie sie auch die EU fordert.
Der Export von europäischem Zucker und die damit verbundenen Subventionen würden somit entfallen.Um die weiße Seele des Zuckers schon jetzt zu fördern, können wir als Verbraucher auf fair gehandelten Zucker zurückgreifen. Matthias Buck, Anna Dörr, Raphael Reinke und Pater Alfons Wehrle
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