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Spiritaner in Haiti

Die Mehrzahl der Menschen in Haiti leben seit Jahrzehnten in großer Armut. Das schwere Erdbeben 2010 hat diese Situation nochmals verschärft.

Wir Spiritaner sind bereits seit langer Zeit in Haiti tätig. Mit materieller und seelsorglicher Hilfe versuchen wir die schlimmste Not der Menschen zu lindern.

Serie: Warum ich Spiritaner werden möchte? (Mai)

26.05.2015

Berufungsgeschichten unserer jungen Mitbrüder, die noch in der Ausbildung sind. So beschreibt diesmal Olaf Derenthal, wie er seinen Weg zu den Spiritaner fand und was ihn an dieser Lebensweise fasziniert.

Olaf Derenthal - Spuren Gottes entdecken

"Noch heute habe ich ein Bild von Shabani, dem kleinen siebenjährigen Jungen aus Arusha in meinem Zimmer hängen. Ich lernte ihn kennen, als ich während meines MaZ-Einsatzes in einem HIV-Zentrum in Tansania arbeiten durfte. Der muslimische Junge war von Geburt an HIV-positiv, seine Mutter schon verstorben, der Vater verschwunden. Er lebte bei seiner Tante, die sich liebevoll um ihn kümmerte. Seine Prognose war schlecht, er litt ständig unter den für AIDS so typischen Begleiterkrankungen. Und doch war er ein so lebensfroher Junge, der gern spielte und mit Begeisterung lesen und schreiben lernte.

Menschen wie Shabani, ob Kind oder Erwachsener, haben mich gelehrt, was im Leben zählt: Die Freude und die Dankbarkeit für eben dieses Leben, zerbrechlich und verwundbar, aber auch liebenswert und stark. All das haben wir nicht selber geschaffen. Es ist uns geschenkt und anvertraut, um es zu teilen. Als Spiritaner möchte und darf ich das tun: Zeugnis ablegen von einem Gott, der als Jesus von Nazareth selbst unter uns gelebt und geliebt hat. Ich möchte dies aber nicht tun, um eine eigene Mission zu verwirklichen, sondern indem ich in brüderlicher Gemeinschaft lebe und mich senden lasse.

Beim Propheten Micha steht: „Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet: Nichts anderes als dies: Recht tun, Güte und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott.“ (Micha 6,8). Diese Bibelstelle erinnert mich immer wieder daran, wie sehr Gottes- und Menschenliebe zusammenhängen. Gott geht seinen Weg mit uns im Alltag. Er ist da in den vielen kleinen und großen Dingen des Lebens, auch wenn wir ihn manchmal schmerzlich vermissen. Immer wieder lädt er uns ein, diese Welt ein wenig gerechter und freundlicher zu machen, selbst wenn die Ohnmacht uns lähmt, vielleicht ganz besonders in diesem „Sommer der Kriege“. Unser Gott ist ein menschenfreundlicher Gott, und sein „Himmel liegt nicht über uns, sondern vor uns, als Aufgabe und Möglichkeit, die schon hier in der Welt beginnt“ (Bischof Kamphaus).

In den Worten des spanischen Schriftstellers, Miguel de Cervantes (1547 – 1616), „Der Weg ist immer besser als die schönste Herberge”. Daher sind die Ausbildungsjahre für mich in gewisser Hinsicht eine faszinierende Entdeckungsreise zu meinen eigenen Wurzeln, zu den vielen Weisen, auf denen Gott sich in dieser Welt mitteilt, zu Stille und Gebet, zu unseren Ordensgründern Poullart des Places und Libermann, zu meinem Nächsten in unserer Gemeinschaft und zu dem ganz Fremden in der Metro von Paris.

Leben ist Begegnung, und in diesen Begegnungen die Spuren Gottes zu entdecken schenkt das Vertrauen darauf, dass es gut ist, auf diesem Weg als Spiritaner weiter zu gehen. Ich tue das in Dankbarkeit für die Weggemeinschaft mit so vielen Menschen bis hierher und voller Spannung und Erwartung auf das, was kommen mag."

Olaf Derenthal  CSSp (Deutschland)

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Olaf Derenthal CSSp

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