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Spiritaner in Haiti

Die Mehrzahl der Menschen in Haiti leben seit Jahrzehnten in großer Armut. Das schwere Erdbeben 2010 hat diese Situation nochmals verschärft.

Wir Spiritaner sind bereits seit langer Zeit in Haiti tätig. Mit materieller und seelsorglicher Hilfe versuchen wir die schlimmste Not der Menschen zu lindern.

Serie: Warum ich Spiritaner werden möchte? (Juli)

07.07.2015

Berufungsgeschichten unserer jungen Mitbrüder, die noch in der Ausbildung sind. Bruder Mathieu Boulanger hatte als leitender Mitarbeiter mit gutem Gehalt einige Jahre in der Industrie gearbeitet. Doch dann stellte er sich die Frage, wozu er denn eigentlich nützlich sei in dieser Welt.

Im Rahmen des von Papst Franziskus ausgerufenen Jahres der Orden möchten wir ihnen auf unserer Webseite mit der Serie: „Warum ich Spiritaner werden möchte?“ die Berufungsgeschichten unserer jungen Mitbrüder, die noch in der Ausbildung sind, vorstellen. Es ist unser großes Anliegen im Rahmen dieses Jahres, in dem die Orden im Mittelpunkt stehen, ihnen mehr Einblick zu geben in unser Leben; an dem, was uns Freude und Hoffnung bereitet; ja, an dem, was uns trägt und Zukunft verspricht. Jeden Monat kommt ein weiteres Zeugnis dazu. Es sind höchst interessante und bewegende Zeugnisse aus verschiedenen Ländern. Wir wünschen Ihnen eine angenehme Lektüre und bitten um Ihr Gebet für unsere Ordensgemeinschaft, besonders für unsere jungen Spiritaner in der Ausbildung.

Mathieu Boulanger - Durch die Zärtlichkeit Gottes zum Dienst an den Armen verführt!

In meiner westfranzösischen Familie war Glaube etwas Natürliches und Gelebtes. Nach meinem Studium als Lebensmittelingenieur habe ich als leitender Mitarbeiter mit gutem Gehalt einige Jahre in der Industrie gearbeitet. Aber rasch stellte sich mir die Frage, wozu ich denn eigentlich nützlich sei in dieser Welt.

Ich wollte andere Horizonte und Kulturen entdecken und zum Aufbau einer gerechteren Welt beitragen. Daher bin ich 2007 für zwei Jahre Freiwilligendienst auf den Philippinen aufgebrochen. Dort bin ich zum ersten Mal den Spiritanern begegnet und habe viel von ihnen gelernt. Über die Dialogpraxis und die spannende Entdeckung einer anderen Kultur hinaus war es vor allem die Frage: Wie stimmig und aufrichtig ist dein Leben? Denn all meine Aktivitäten auf den Philippinen, so verschieden sie auch waren, hatten auf einmal nur ein Ziel. Das Private war nicht mehr vom Beruflichen zu trennen. Mir wurde deutlich, dass ich, wenn ich irgendwo einen Sinn finde, ganz und gar für eben diesen leben muss.

Als ich zurückkam, machte ich Exerzitien und öffnete mich ganz allmählich für die Möglichkeit, Ordenschrist zu werden. Für mich war es wichtig, stets auf der Suche nach Gott zu bleiben, um ihn immer tiefer zu erkennen. Ich wollte die verzerrten Gottesbilder überwinden, die uns nicht immer dem Gott der Liebe näher bringen. Während weiterer Exerzitien habe ich die Erfahrung der Zärtlichkeit Gottes gemacht, der mich so liebt, wie ich bin, mit all meinen Fehlern; der mich nicht verurteilt, der mir vertraut und der mich vorantreibt, denn er will mein Glück. Die Frage nach dem Ordensleben wurde von nun an in meinem Denken und in meinem Gebet immer gegenwärtiger.

Ich habe entdeckt, was wirklich für mich zählt, wo Gott mir entgegenkommt, wo mein Willen sich dem seinen anpasst. Natürlich    es gibt sie, diese innere Stimmigkeit im Leben, aber es gibt auch die Suche nach Gott durch Gebet und geschwisterliches Leben, die Solidarität mit der Welt und den Ärmsten.

Warum aber Spiritanerbruder werden und nicht Franziskaner oder Dominikaner? – Weil ich sehr schnell die Einfachheit der Spiritaner kennen und schätzen gelernt habe, ihren offenen Blick auf die Welt; weil ich bei den Spiritanern nicht deshalb „Bruder“ bin, weil mir die Berufung zum priesterlichen Leben fehlt; aber auch, weil ich mich bei ihnen sehr schnell wohl und daheim in der Familie gefühlt habe. Was mich zudem berührt hat, war die Erfahrung der Gottessuche des Ordensgründers Claude Francois Poullart des Places, dem ich mich in mehrfacher Hinsicht nahe fühle.

Was mich als Spiritanermissionar stärkt und was mir Freude gibt, ist die Gewissheit, dass der Gott der Barmherzigkeit mit mir auf dem Weg ist, über alle unvermeidlichen Höhen und Tiefen meines Lebens hinaus. Und dann ist da das Leben in Gemeinschaft: Nicht allein unterwegs zu sein, seinen Weg mit anderen zu gehen. Ein jeder hat seine ihm eigene Geschichte, und wir alle erleben diesen Pilgerweg nicht auf dieselbe Art und Weise. Und doch sind wir auf dem gleichen Weg und helfen uns gegenseitig, manchmal sogar unbewusst, in dieser Liebe zu wachsen.

Bruder Mathieu Boulanger, CSSp

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Bruder Mathieu Boulanger CSSp

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